Sonnenfinsternis 2006

Etwa zwei mal im Jahr entsteht irgendwo auf der Erde eine Sonnenfinsternis. Dabei schiebt sich der Mond zwischen Erde und Sonne und wirft seinen Schatten auf den Boden. Dieser wandert auf einem etwa 200 km breiten Streifen quer über den Globus. Befindet man sich genau in dieser Zone, dann kann man eine totale Sonnenfinsternis beobachten.

Während es am 29.03. in Hammelburg bewölkt und die Sonne ohnehin nur zu etwa 40% bedeckt war, konnte man die Finsternis im türkischen Side in ihrer vollen Pracht erleben. Mit fünf digitalen Spiegelreflexkameras, einem Videocamcorder und drei Teleskopen ausgerüstet reisten die drei Hobbyastronomen Bernhard Loose, Christian Fenn (beide Hammelburg) und Dirk Zirwick (Euerdorf) in Totalitätszone.

Inmitten der im Sand versinkenden Ruinen des antiken Side, zwischen Säulen und Bögen bauten sie schon Stunden vor dem Ereignis ihre Technik auf. So wurden über einen langen Zeitraum Nachführung und Schärfe der Optiken eingestellt, erste Testaufnahmen gemacht und ausgewertet. Erst allmählich gesellten sich andere Finsternisbegeisterte dazu, bis sich kurz vor Beginn hunderte Astronomen, Touristen und ganze Schulklassen auf den Sanddünen, Mauerresten und Hügeln verteilt hatten. Begleitet vom Rauschen des Meeres wuchs in allen die Anspannung an, bis um 12:38 Uhr Ortszeit der Mond zum ersten mal die Sonnenscheibe bedeckte. Im Laufe der nächsten Stunde verlor die Sonne immer mehr an Leuchtkraft und tauchte die wüstenartige Landschaft eine mystische Stimmung. Dem Sinken der Temperatur um etwa zehn Grad folgte ein kalter Wind und ließ die Beobachter nach ihren Jacken suchen. Um 12:55 Uhr rauschte dann der Mondschatten mit Überschallgeschwindigkeit auf die Beobachter zu. Die letzten Sonnenstrahlen blitzten durch die Mondtäler und zeichneten für drei Sekunden die berühmte Perlschnur an den Himmel, ehe die Sonne gänzlich verschwand.

In der Finsternis erstrahlte nun die weiß glühenden Korona um die verdunkelte Sonne und der Horizont über dem Meer leuchtete feuerrot. Es ist genau dieser Moment, der tausende Sonnenfinsternishungrige immer wieder in ihren Bann zieht, vor Begeisterung applaudieren und jubeln lässt. Und während die Vögel verstummten hob sich der Gesang des Muezzins vom Minarett über die Szene.

Nach 3 Minuten und 42 Sekunden hatte der Mond die Sonne passiert und gab die ersten Sonnenstrahlen wieder frei. Mit ihr kehrte das Licht zurück, die Vögel begannen wieder zu singen und die Temperatur stieg wieder deutlich an. Und während die Sonnenscheibe wieder zu ihren vollen Größe anwuchs, blieb die Begeisterung der Menschen und zwang sie förmlich zum Gespräch. Noch an Ort und Stelle wurden die ersten Aufnahmen der Fotografen betrachtet und ausgewertet.

Jetzt erst leerten sich die Beobachtungsplätze und zurück blieben nur die wenigen Astronomen, die mit ihren Teleskopen und Kameras das Ereignis bis zum Ende dokumentierten, bis der Mond um 15:14 endgültig die Sonne verließ.

Nur wenige Stunden später zeugte nichts mehr von dem seltenen Schauspiel und der Alltag kehrte an die türkische Mittelmeerküste zurück. Für die drei Hammelburger wird die viertägige Sofi-Reise ein unvergessliches Erlebnis bleiben, an das die über tausend Fotografien erinnern können.

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